„Das wird nie Routine“ Gunter Demnig über Ursprung und Effekte seines Stolperstein-Projekts und die Kritik an der Verlegung
Sie verlegen seit 1995 europaweit Stolpersteine für die Opfer der Hitlerdiktatur. Wie sind Sie auf die Idee für diese Gedenkaktion gekommen?
Es gibt eine Vorarbeit, nämlich eine Schriftspur zur Erinnerung an 1000 Roma und Sinti aus Köln, die 1940 in Konzentrationslager deportiert wurde. Ich hatte in einer Kunstaktion im Jahr 1990 an 21 Stellen im Stadtgebiet Messingschriftzüge verlegt, die die Spur von den Wohnorten zur Deutschen Messe, dem damaligen Sammellager, nachzeichnen. Die Deportation war eine Generalprobe für alles, was folgte. In der Kölner Südstadt kam eine Dame auf mich zu und sagt: Schön, was Sie machen, aber hier haben nie Zigeuner gelebt. Ich habe ihr erklärt, was damals abgelaufen ist. Der Frau ist das Kinn runtergefallen. Das war für mich der Auslöser, die Namen zurückzubringen an die Orte, wo das Grauen angefangen hat. MEHR…
